Guardia
Hier ist es gerade 2 Uhr nachmittags, und weil ich heute "postguardia" bin, also gestern Nachtdienst hatte, kann ich heute 2 Stunden frueher gehen.
Ich erzaehle euch vielleicht einfach mal, wie ich die letzten 30 Stunden so verbracht habe.
Morgens um 7 Uhr fangen wir an, aber bis um 8 Uhr gammelt man eigentlich eher rum, einige der Studenten schlafen im Sitzen, im Stehen... und man wartet das die Morgenvisite beginnt. Ich war danach mit 2 anderen Internos im OP und das war richtig gut gestern. Diesmal habe ich mir auch meine "eigene" OP-Kleidung mitgenommen, weil die des Krankenhauses mir ungefaeht 5 Nummern zu gross ist und die Frau, die die KLeidung ausgibt, nur sehr widerwillig irgendein Kleidungsstueck rausdrueckt. Es ist auch voellig in Ordnung, mit der eigenen OP-Kleidung zu kommen, viele Studenten und die Aerzte machen das. Ich habe dann bei einer Schilddruesen-OP assistiert. Das Klima im OP ist recht entspannt, man muss nur immer damit rechnen, abgeprueft zu werden. Aber der Arzt hat mir auch eine Menge erklaert und war eher daran interessiert, etwas ueber Deutschland zu erfahren. Hier denken alle, ich wuerde den letzten deutschen Studenten kennen, der in Mexiko war und ich muss dann immer lang und breit erklaeren, dass ich "Mark" nicht kenne...
Mittags bin ich dann tatsaechlich mal essen gegannen mit den drei anderen Internos, die an dem Tag Nachtdienst hattten. Das Essen war gar nicht so schlecht, auf jeden Fall nicht schlim
mer als ich erwartet hatte. Nur gibt es kein Besteckt, dass muss man mitbringen oder mit den Fingern, bzw. mit Tortillas essen. Die Mexikaner sind immer beeindruckt, dass ich das scharfe Essen vertrage. Ich finde es schon scharf, aber es schmeckt gut, es ist nur komisch, dass wirklich alles scharf ist, auch das Fruehstueck.In Wirklichkeit ist dieser Nachtdienst voellig sinnlos, dass sagen auch die Internos, es gibt naemlich nur wenig zu tun und die meiste Zeit sitzt man da und langweilt sich. Es werden die Nachmittagsberichte jeden Patienten geschrieben, auf uralten Schreibmaschinen, die kaum noch schreiben, es werden Verbaende und Verordnungen gemacht. Gestern hatten wir die meiste Zeit mit einem Patienten zu tun, der angibt 113 Jahre alt zu sein! Ich kann das allerdings nicht so recht glauben, aber alt ist er auf jeden Fall.
Ab 22:30 gibt es Abendessen, ein bisschen ungewoehnlich spaet fuer mich...
Ich bin dann so gegen 0:00 ins Bett gegangen. Wir waren 4 Internos und hatten 2 Betten(ein Doppelbett) also haben wir gelost und ich hatte Glueck und konnte in einem Bett schlafen. Ansonsten gab es noch die Untersuchungsliege und eine Patiententrage, auf der man schlafen konnte.
MOrgens um 6 Uhr gings dann weiter mit BLut abnehmen, was natuerlich ganz anders geht, als bei uns, ohne Tupfer, Handschuhe, Stauschlauch, einfach mit einer Spritze.
Der Tag heute verlief relativ ruhig, nach einer unangenehmen Morgenvisite die Schilddruesensprechstunde, die ich eigenltich ganz interessant finde. Heute sass ich bloss neben dem Chefarzt, und der ist ziemlich unangenehm. Er prueft immer ab, gerne auch mich und gibt einem das Gefuehl, dass er einen fuer bescheuert haelt. Ausserdem hat er heute nachgefragt, wieviele Nachdienste ich denn schon gemacht habe und dass ich schnell alles lernen muss, weil ich ja ab dem 15. Dez., wenn die Internos in Urlaub gehe, alleine da bin.
Aber er ist jetzt erst mal bis Ende des Jahres im Urlaub, mal gucken, was danach geshieht.
Jetzt gehe ich erstmal nach Hause und dusche und ruhe mich ein bisschen aus.

1 Comments:
Hallo Antje,
es freut mich das es Dir gut geht. Es klingt für mich sehr spannend was Du dort erlebst. Ich denke die Warnungen der Einheimischen solltest Du ernst nehmen. Wir hatten eine schöne Gospelchorfeier aber leider ohne Christine. Die ist nun doch krank geworden. Es geht Ihr aber schon wieder besser. Pass auf Dich auf.
Liebe Grüße!
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