La virgen de Guadalupe
Alljaehrlich am 12.12. wird in ganz Mexiko das Fest der Jungfrau von Guadalupe gefeiert, sozusagen der Hoehepunkt der mexikanischen Froemmigkeit.
Tage- bzw. wochelang pilgern Leute (vorwiegend arme Leute) aus allen Teilen Mexikos zu der Basilika im Norden der Stadt Mexiko - frueher ein Dorf, aber schon seit einiger Zeit inmitten der Grossstadt.
Am Montag, dem 11.12. bin ich also nach der Arbeit mit Itzel, einer Interas, losgezogen, um mir das Spektakel anzuschauen. Alle Mexikaner hielten mich fuer verrueckt bis lebensmuede, in der Basilika, einer Kirche, etwas groesser als der Luebecker Dom, wurden an dem Abend naemlich 8 Mio. Menschen erwartet. Aber weil ich nun Turistin war und es unbedingt sehen wollte...
Es waren dann aber doch deutlich weniger Menschen unterwegs, d.h. man konnte sich durch die Menge draengen, anscheinend geht auch in Mexiko die Volksfroemmigkeit zurueck. Wir liessen uns aulso mit dem Strom treiben und mir fiel besonders der Muell in den Strassen auf und die tausenden von Strassenhaendler, die versuchen, alles moegliche an den Mann zu bringen.
Spaeter, auf dem Gelaede der Basilika, kampierten ueberall die Leute, ess sah aus wie eine Mischung zwischen Festival und Fluechtlingslager. Vor der Kirche wurden Taenze aufgefuehrt, die alles andere als christlich aussahen. Maenner mit roten Umhaengen und Masken mit Elefantenruesseln, die schreiend und stoehnend sich im Kreis drehten.
Daneben Menschen, die auf den Knien mit Schmerz verzehrtem Gesicht auf die Basilika zukrochen.
Das Gelaende der Basilika ist sehr schoen, etwas huegelich, mit vielen Rosenbueschen. Denn die LEgende der Virgen geht ungefahr so.
"Im Jahr 1531 soll dem getauften Azteken Juan Diego bei der heutigen
„Basilica de la Virgen de Guadalupe“ auf dem Berg Tepeyac im Norden des heutigen
Mexiko-Stadt die Jungfrau Maria erschienen sein (Aparición). Sie bat in dieser
und den nachfolgenden Erscheinungen in der Nahua-Sprache um Errichtung eines
Tempels. Als dies zweimal hintereinander passiert war, erzählte Diego dies dem
Bischof von Mexiko-Stadt, Juan de Zumárraga, der dies zunächst nicht glauben
wollte. Erst als die Jungfrau Diego zum dritten Mal erschien, wurde die
Erscheinung, so die Legende, auch tatsächlich anerkannt: Die Jungfrau hatte an
einem bestimmten Punkt Rosen (an einem 12. Dezember) wachsen lassen. Diego
sammelte auf Wunsch der Erscheinung diese Blumen auf und legte sie dem Bischof
als Beweis vor. Als er den Mantel ausbreitete, war das Antlitz der Jungfrau auf
dem Tuch imprägniert - der endgültige Beweis." Die Jungfrau soll eine Mestizin
gewesen sein, was die Mexikaner natuerlich besonders gut finden.
Interessant dabei ist, dass es bei den Azteken eine Goettin gab, die ganz aehlich war wie die Jungfrau maria und anscheinend so wichtig fuer die Aztken, dass sie bei der
Christianisierung der Kriche ein Dorm im Auge war. Den Rest moege man sich
denken...
Es ist schon beeindruckend in welchem Masse die Christianisierung Mexikos in relativ kurzer Zeit vorangeschritten ist und in welcher Tiefe die Menschen hier glaeubich sind, wenn auch mit eben einem anderen Einschlag als wir es in Europa gewohnt sind. Wenn ich darueber nachdenke schwanke ich immer dazwischen hin und her, zu bedauern, in welchem Masse die Missionierung die einheimische Kultur zerstoert hat und erleichtert zu sein, dass die aeusserst blutruestige aztekische Religionsausuebung beendet wurde.

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