Nevada de Toluca
Gestern bin ich tatsaechlich auf dem 5. hoechsten Berg Mexicos gewesen.
José Juan, ein Bekannter, den ich beim Tangotanzen kennengelernt habe, hatte beruflich in Toluca, einer Industriestadt, ca. 1 Stunde Fahrt von Mexico entfernt, zu tun und hat mir angeboten, mich mitzunehmen. Er ist ein Ingenieur, der jetzt in einer IT-Firma, Grosskunden beraet.
Zuerst mussten wir uns durch den Stadtverkehr in Mexico kaempfen, der wirklich schrecklich ist. Es gibt so ein gutes oeffentliches Verkehrsnetz, das ich gar nciht verstehen kann, warum sich die Leute das antun, morgens mit dem Auto in die Stadt zu fahren. In Toluca habe ich dann zunaechst einen kleinen Einblick in die mexikanische Buerokratie bekommen. José Juan musste zur Behoerde fuer Unfaelle im Stadtverkehr, weil einer der Firmenwagen in Toluca einen Unfall hatte - im Oktober.
Das Auto ist von der Behoerde beschlagnahmt seitdem. Gestern nun war ersteinmal, nach ca. 4 Monaten, das Diktat des Unfalls geschrieben worden, es konnte aber gerade nicht gefunden werden...Ich konnte es nicht fassen und musste fast anfangen zu lachen, aber José Juan blieb ganz ruhig und meinte nur resigniert, so ist das eben in Mexico. Er muss also weiterhin alle paar Wochen in der Behoerde aufschlagen und fragen, wie es weitergeht...
Das sind wir schliesslich in Richtung NEvada de Toluca aufgebrochen. Der Nevada ist ein nicht mehr aktiver Vulkan, sein Gipfel ist eher ein Krater mit 2 Lagunen, in denen man sogar angeln kann. Er ist ueber 4300m hoch. Man kann mit dem Auto im Sommer bis zu den Lagunen fahren, im Winter ist die Strasse oft gesperrt, wegen Schnee. So stand auf gestern ein Schild an der Strasse, dass die Auffahrt auf den Nevada gesperrt sei, wir sind trotzdem weitergefahren, und die Strasse war voellig frei, mit erstaunlich vielen mexikanischen Familien, die einen Ausflug gemacht haben. Alle Autos, die uns engegengekommen sind, hatten kleinen Schneemaenner auf dem Dach oder auf der Motorhaube, Schnee ist eben etwas ganz besonderes in Mexico. Die Fahrt auf den Gipfel verlief ohne Probleme, wir haben zwischendurch Halt gemacht und Fruechte und Kokosnuesse gekauft. Ich fand es schon ein bisschen bizarr, auf einen schneebedeckten Berg zu fahren, mit einer frisch geoeffneten Kokosnuss auf dem Schoss.
Die letzten paar Meter bis zum Krater mussten wir zu Fuss raufsteigen, eigentlich ein kleiner Spaziergang von vielleicht 10 Minuten, aber in der Hoehe doch relativ beschwerlich. Ich habe ganz schoen geschauft. Von Rand des Kraters hatten wir einen wunderbaren Ausblick, auf der einen Seite in den Krater mit seinen beiden kleinen Seen und auf der anderen Seite in die Ebene von Toluca tief unter uns. Ich habe mich hingesetzt und die Aussicht genossen, aber meine Lust, weiter in den Krater abzusteigen, hielt sich doch in Grenzen. Ich hatte ziemlich starke Kopfschmerzen und fuehlte mich ein bisschen benommen, ausserdem kostete jede Bewegung deutlich mehr Kraft als gewoehlich. Vielleicht habe ich mir das alles aber auch nur eingebildet oder bin ueberempfindlich, denn José Juan hat nichts davon gespuert.
Auf dem Rueckweg haben wir dann noch schoen gegessen, als Vorspeise gab es Larven con irgendwelchen Wespen....

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